

Unterschied, Pflicht und Strafe: Alles, was du als Autofahrer:in in der Schweiz wissen musst.
Rettungsgasse und Pannenstreifen: Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden. Doch sie haben komplett verschiedene Funktionen. Wer im Stau keine Rettungsgasse bildet, riskiert nicht nur eine Strafe, sondern gefährdet Menschenleben. In diesem Artikel erklären wir dir den Unterschied zwischen Rettungsgasse und Pannenstreifen, warum die Rettungsgasse in der Schweiz seit 2021 Pflicht ist und welche Strafe droht, wenn du dagegen verstösst. Dieses Thema wird auch im VKU Kurs und in der Fahrschule ausführlich behandelt.
🚑 Rettungsgasse
Wird aktiv von Autofahrer:innen gebildet
Entsteht zwischen den Fahrstreifen (links und Mitte/rechts)
Nur bei Stau oder stockendem Verkehr
Dient den Rettungskräften zur Durchfahrt
Seit 2021 gesetzliche Pflicht in der Schweiz
🛤️ Pannenstreifen
Ist ein fest eingebauter Seitenstreifen (ganz rechts)
Befindet sich neben der Fahrbahn
Ist immer vorhanden (wo baulich möglich)
Reserviert für liegengebliebene Fahrzeuge
Darf nicht regulär befahren werden
Kurz gesagt
Der Pannenstreifen ist ein fester Bestandteil der Autobahn. Die Rettungsgasse entsteht erst durch das aktive Verhalten aller Autofahrer:innen im Stau. Beide existieren gleichzeitig, und die Rettungsgasse ersetzt den Pannenstreifen nicht.
Die Rettungsgasse bilden ist in der Schweiz seit 2021 gesetzlich vorgeschrieben. Doch wie geht das konkret? Die Regel ist einfacher als viele denken.
Die Rechte-Hand-Regel
Die «Rechte-Hand-Regel» hilft dir, auf welche Seite du bei einer Rettungsgasse ausweichen sollst: Halte deine rechte Hand vor dich, mit abgespreiztem Daumen. Der Daumen symbolisiert den äussersten linken Fahrstreifen, der nach links ausweicht. Alle anderen Finger (die restlichen Spuren) zeigen nach rechts, und diese Fahrzeuge weichen nach rechts aus. Die Lücke zwischen Daumen und Zeigefinger ist die Rettungsgasse.

Je nach Anzahl Spuren wird die Rettungsgasse anders gebildet.
🚒 Grundregel zum Merken
Links fährt nach links – alle anderen nach rechts.
Egal ob zwei, drei oder mehr Spuren: Die Rettungsgasse entsteht immer zwischen dem äussersten linken und dem unmittelbar rechts danebenliegenden Fahrstreifen.
Seit dem 1. Januar 2021 ist das Rettungsgasse bilden in der Schweiz gesetzlich verankert. Die Pflicht gilt auf allen Autobahnen und Autostrassen mit mindestens zwei Fahrstreifen pro Richtung und gehört zu den wichtigsten Autobahnregeln der Schweiz.
📊 Unfallstatistik Schweizer Autobahnen
Im Jahr 2022 kam es auf Schweizer Autobahnen zu mehr als 1’500 Verkehrsunfällen mit Personenschaden. Die häufigsten Ursachen waren Ablenkung, Übermüdung oder das Nicht-Einhalten von Sicherheitsabständen. Schwerverletzte Personen sind in solchen Situationen leider keine Seltenheit.
Damit man schnellstmöglich helfen kann und so die Überlebenschancen der verunfallten Personen steigen, müssen Ambulanz, Polizei, Feuerwehr oder andere Bergungsfahrzeuge ohne Behinderung am Unfallort eintreffen können. Meist bildet sich nach einem Verkehrsunfall auf der Autobahn ein langer Stau, der die Rettungskräfte oft vor grosse Herausforderungen stellt.
«Fahren auf Autobahnen und Autostrassen mit mindestens zwei Fahrstreifen in eine Richtung die Fahrzeuge mit Schrittgeschwindigkeit oder befinden sich im Stillstand, so müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei-, Sanitäts-, Feuerwehr-, Zoll- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äussersten linken und dem unmittelbar rechts danebenliegenden Fahrstreifen eine freie Gasse bilden.»
Art. 36, Abs. 7 VRV
Was in Deutschland bereits seit 1992 Pflicht ist, wurde in der Schweiz also erst 2021 gesetzlich verankert. Der Grund für die gesetzliche Pflicht: Rettungskräfte verloren bei schweren Unfällen wertvolle Minuten, weil keine Rettungsgasse gebildet wurde.
🚑 Warum die Rettungsgasse Leben rettet
Bei schweren Autobahn-Unfällen zählt jede Sekunde. Die Rettungsgasse ermöglicht es Polizei, Sanität und Feuerwehr, den Stau zu passieren und schnellstmöglich zum Unfallort zu gelangen. Wer einen Nothelferkurs besucht hat, weiss, wie wichtig schnelle Erste Hilfe ist. Ohne Rettungsgasse kann es passieren, dass ein Krankenwagen minutenlang im Stau feststeckt — mit fatalen Folgen für die Verletzten.
Du fragst dich, welche Strafe droht, wenn du in der Schweiz keine Rettungsgasse bildest? Die Konsequenzen hängen von der Schwere des Verstosses ab.
Verstoss | Strafe |
Keine Rettungsgasse gebildet (Ordnungsbusse) | 100 CHF |
Behinderung von Rettungskräften (erhöhte Busse) | bis 400 CHF |
Befahren der Rettungsgasse (Nötigung / Gefährdung) | Verzeigung / Anklage |
Schwere Fälle (SVG Art. 90) | Geldstrafe + Ausweisentzug |
Vergleich mit Deutschland
In Deutschland sind die Strafen für fehlende Rettungsgassen deutlich höher: 200–320 Euro, 2 Punkte in Flensburg und bis zu 1 Monat Fahrverbot. Die Schweizer Strafe für fehlende Rettungsgasse ist im Vergleich moderat, doch das kann sich ändern.
Eine der häufigsten Fragen lautet: «Muss ich eine Rettungsgasse trotz Pannenstreifen bilden?» Die Antwort ist eindeutig: Ja.
Viele Autofahrer:innen denken, der Pannenstreifen reiche als Durchfahrt für Rettungsfahrzeuge aus. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Hier die Gründe:
Pannenstreifen sind oft blockiert, z.B. durch liegengebliebene Fahrzeuge, Baustellen oder Hindernisse.
Pannenstreifen sind schmal: Grosse Rettungsfahrzeuge (Feuerwehr, Löschzüge) passen nicht immer durch.
Nicht jede Autobahn hat einen Pannenstreifen. Bei Baustellen oder Tunneln fehlt er häufig.
Rechtlich klar geregelt: Art. 36 Abs. 7 VRV verlangt die Gasse zwischen den Fahrstreifen, nicht auf dem Pannenstreifen.
🚫 Pannenstreifen nicht als Rettungsgasse nutzen!
Der Pannenstreifen darf beim Bilden der Rettungsgasse nicht befahren werden. Weiche nicht auf den Pannenstreifen aus, um Platz zu machen. Auch Rettungsfahrzeuge fahren durch die Gasse zwischen den Fahrstreifen, nicht über den Pannenstreifen. Wer trotzdem ausweicht, riskiert eine Strafe und blockiert den Zugang für liegengebliebene Fahrzeuge.
Viele Autofahrer:innen warten zu lange. Die Rettungsgasse muss nicht erst bei komplettem Stillstand stehen, sondern sobald sich der Stau abzeichnet.
Sofort, wenn sich ein Stau abzeichnet oder der Verkehr stockt
Wenn die Geschwindigkeit deutlich unter die Höchstgeschwindigkeit sinkt
Nicht erst bei komplettem Stillstand, denn dann ist es oft zu spät!
Auch wenn kein Blaulicht zu sehen oder zu hören ist
Dauerhaft offenhalten, denn auch nach dem Durchfahren eines Rettungsfahrzeugs können weitere folgen
Praxis-Tipp
Schalte beim Bilden der Rettungsgasse den Warnblinker ein. Das signalisiert dem nachfolgenden Verkehr, dass er ebenfalls ausweichen soll. Achte darauf, dass du genügend Platz lässt, damit auch grosse Einsatzfahrzeuge problemlos durchkommen.
Die Rettungsgasse wird bei Stau aktiv zwischen dem linken und dem rechts danebenliegenden Fahrstreifen gebildet. Der Pannenstreifen ist der befestigte Seitenstreifen ganz rechts, der für liegengebliebene Fahrzeuge und Notfälle reserviert ist. Beide haben unterschiedliche Funktionen und existieren gleichzeitig.
Ja, die Rettungsgasse ist seit 2021 in der Schweiz Pflicht, auch wenn ein Pannenstreifen vorhanden ist (Art. 36, Abs. 7 VRV). Der Pannenstreifen darf nicht als Ersatz für die Rettungsgasse benutzt werden.
Die Ordnungsbusse beträgt 100 CHF. Bei Behinderung von Rettungskräften kann die Strafe auf bis zu 400 CHF steigen. In schweren Fällen drohen eine Verzeigung, Geldstrafe oder sogar ein Ausweisentzug.
Du musst die Rettungsgasse sofort bilden, sobald sich ein Stau abzeichnet, also bereits bei stockendem Verkehr mit Schrittgeschwindigkeit. Warte nicht, bis der Verkehr komplett steht. Auch wenn noch kein Blaulicht zu sehen oder zu hören ist, muss die Gasse offen sein.
Bei drei oder mehr Fahrstreifen wird die Rettungsgasse immer zwischen dem äussersten linken und dem unmittelbar rechts danebenliegenden Fahrstreifen gebildet. Fahrzeuge auf dem linken Streifen fahren ganz nach links, alle anderen weichen nach rechts aus.
Die Regeln zur Rettungsgasse werden unter anderem im Verkehrskundeunterricht (VKU) behandelt. Dieser vierteilige Kurs ist für alle Lernfahrer:innen in der Schweiz obligatorisch. Die BLINK Fahrschule bietet regelmässig VKU-Kurse mit einem modernen und abwechslungsreichen Lernkonzept an mehreren Standorten in der Deutschschweiz an:
VKU Aarau, VKU Baden, VKU Basel, VKU Bern, VKU Grenchen, VKU Münchenstein, VKU Luzern, VKU Solothurn, VKU St. Gallen, VKU Thun, VKU Wil, VKU Winterthur, VKU Zürich
Rettungsgasse rettet Leben!
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