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Eine aktivierte elektronische Handbremse in der Mittelkonsole eines Autos

Lernfahrt mit elektrischer Handbremse – erlaubt oder nicht?

Alles, was du zur elektronischen Handbremse bei der Lernfahrt wissen musst

Grundsätzlich muss die Begleitperson während einer Lernfahrt zu jeder Zeit in der Lage sein, das Auto im Notfall sofort zu bremsen. Dafür braucht es entweder ein Bremspedal beim Beifahrersitz (so wie im Fahrschulauto) oder eine funktionstüchtige Handbremse. Moderne Fahrzeuge sind zunehmend mit einer elektronischen Feststellbremse (also einer elektrischen Handbremse) ausgestattet, was bei privaten Lernfahrten oft zu Unsicherheiten führt.

Können alle elektronischen Handbremsen die fahrende Person übersteuern? Soviel vorweg: Nein, ein Grossteil dieser neuen Modelle sind gesetzlich nicht für Lernfahrten zugelassen und es können Bussen drohen. Wenn dein privates Auto nicht geeignet ist, kannst du auf ein Fahrschulauto ausweichen. Finde eine Fahrschule in deiner Nähe.

📋 Auf einen Blick: Elektrische Handbremse & Lernfahrt

✅ Erlaubt
Wenn die elektrische Handbremse zwischen den Sitzen liegt, bei Fahrt bremst, ABS hat und das Gas übersteuert.
❌ Verboten
Wenn die Handbremse nicht erreichbar ist, während der Fahrt nicht funktioniert oder vom Gas übersteuert wird.

Was genau ist gesetzlich vorgeschrieben?

Bei einer privaten Lernfahrt muss die Begleitperson das Fahrzeug jederzeit in den Griff bekommen können. Das ASTRA (Bundesamt für Strassen) hat dazu klar festgelegt: Eine elektronische Handbremse bei der Lernfahrt muss mit einer konventionellen, manuellen Handbremse vergleichbar sein. Ist das nicht der Fall, drohen Bussen von bis zu 500 CHF.

⚖️ Kriterien für die Handbremse bei einer Lernfahrt

Die Handbremse (oder die elektronische Feststellbremse) muss folgende vier Kriterien erfüllen:

  1. Erreichbarkeit: Die Begleitperson muss die Handbremse problemlos vom Beifahrersitz aus erreichen können.

  2. Funktion während der Fahrt: Die Bremse muss auch während der Fahrt aktiviert werden können, nicht nur im Stand.

  3. Bremswirkung: Das Gaspedal darf die Handbremse nicht übersteuern.

  4. Dosierbarkeit: Die Bremse muss dosierbar sein, idealerweise mit ABS (Antiblockiersystem).

⚠️ Wichtig:

Erfüllt die elektrische Handbremse deines Autos diese Anforderungen nicht, sind weder Lernfahrten noch Prüfungsfahrten mit diesem Fahrzeug erlaubt.

Gesetzliche Grundlage im Detail

Die rechtliche Basis für die Anforderungen an eine Lernfahrt mit einem Auto mit elektrischer Handbremse findest du in der Verkehrszulassungsverordnung (VZV). Der zentrale Artikel regelt, unter welchen Bedingungen private Lernfahrten zulässig sind:

Lernfahrten auf Motorwagen dürfen nur mit einer Begleitperson unternommen werden, die das 23. Altersjahr zurückgelegt hat, seit wenigstens 3 Jahren den entsprechenden Führerausweis besitzt und diesen nicht mehr auf Probe hat. Die Begleitperson muss in der Lage sein, in die Bedienung des Fahrzeugs einzugreifen.

VZV Art. 27, Abs. 2 (sinngemäss)

Die Formulierung «in die Bedienung des Fahrzeugs einzugreifen» ist entscheidend. Das ASTRA hat dies wie folgt präzisiert:

  • Die Begleitperson muss jederzeit eine Bremsung einleiten können.

  • Die Bremse muss vom Beifahrersitz aus erreichbar und bedienbar sein.

  • Eine elektronische Feststellbremse gilt nur dann als zulässig, wenn sie funktionell mit einer konventionellen Handbremse vergleichbar ist.

  • Es reicht nicht, wenn die Bremse nur im Stand funktioniert. Sie muss während der Fahrt wirken.

💡 Praxis-Tipp:

Im Zweifelsfall gibt dir das kantonale Strassenverkehrsamt Auskunft, ob dein Fahrzeug die Anforderungen erfüllt. Die Interpretation der Vorschriften kann von Kanton zu Kanton leicht variieren.

Ist meine Handbremse [für Lernfahrten] geeignet?

Aktuell gibt es leider keine zuverlässige Liste mit Fahrzeugmodellen, die bestätigt, welche Autos mit elektronischer Handbremse für Lernfahrten zugelassen sind. Deshalb haben wir ein einfaches 3-Checks-System entwickelt, mit dem du selbst prüfen kannst, ob dein Fahrzeug geeignet ist.

Check 1: Position der Handbremse

Die elektrische Handbremse muss so positioniert sein, dass die Begleitperson sie vom Beifahrersitz aus problemlos erreichen kann. Bei einigen Modellen (etwa bei Mercedes oder Toyota) befindet sich der Schalter links neben dem Lenkrad oder direkt am Armaturenbrett. Auch bei Mobility Carsharing ist ca. jedes dritte Fahrzeug betroffen.

✅ Weiter zu Check 2
Die Handbremse befindet sich zwischen Fahrer:in und Beifahrer:in (Mittelkonsole).
⚠️ Nicht erlaubt
Die Handbremse ist links neben der fahrenden Person oder am Lenkrad: Lernfahrt verboten.

Check 2: Vollbremsung und Antiblockiersystem

Fahre auf einen leeren Parkplatz und beschleunige auf ca. 20 km/h. Lass die Begleitperson die elektrische Handbremse ziehen bzw. den Knopf drücken und eine Vollbremsung einleiten. Das ABS (Antiblockiersystem) muss dabei korrekt arbeiten.

✅ Weiter zu Check 3
Das Auto bremst kontrolliert ab und das ABS funktioniert (spürbares Pulsieren im Pedal).
⚠️ Nicht erlaubt
Das Auto bremst nicht oder die Räder blockieren (kein ABS): Lernfahrt verboten.

Check 3: Übersteuerung und Dosierbarkeit

Beschleunige auf ca. 20 km/h, nimm den Fuss vom Gas und lass die Begleitperson die Handbremse ziehen. Sobald das Fahrzeug bremst: Drück das Gaspedal durch. Die Handbremse muss das Gas übersteuern, d.h. das Auto darf nicht beschleunigen.

Bei einigen Modellen von Audi, VW, Toyota und Renault versagt genau dieser Punkt: Das Gaspedal hebt die Bremswirkung auf.

Check 3: Übersteuerung und Dosierbarkeit

Beschleunige auf ca. 20 km/h, nimm den Fuss vom Gas und lass die Begleitperson die Handbremse ziehen. Sobald das Fahrzeug bremst: Drück das Gaspedal durch. Die Handbremse muss das Gas übersteuern, d.h. das Auto darf nicht beschleunigen.

Bei einigen Modellen von Audi, VW, Toyota und Renault versagt genau dieser Punkt: Das Gaspedal hebt die Bremswirkung auf.

✅ Alle 3 Checks bestanden!
Dein Auto ist für Lernfahrten zugelassen. Die elektrische Handbremse erfüllt die gesetzlichen Anforderungen.
⚠️ Nicht erlaubt
Das Gaspedal übersteuert die Handbremse: Lernfahrt verboten.

Welche Automarken bestehen die Checks?

Viele Fahrschüler:innen fragen sich, welche Autos mit elektrischer Handbremse für Lernfahrten geeignet sind. Da die Systeme je nach Modell, Baujahr und Motorisierung unterschiedlich funktionieren, gibt es keine verbindliche Gesamtliste. Trotzdem haben wir auf Basis von Erfahrungswerten eine Orientierungshilfe zusammengestellt:

Marke

Tendenz

Hinweis

Skoda / SEAT / Cupra

✅ Oft geeignet

Viele Modelle bestehen alle 3 Checks. Trotzdem individuell prüfen.

BMW

✅ Oft geeignet

Handbremse meist mittig, ABS aktiv. Neuere Modelle prüfen.

VW (Golf, Polo, etc.)

⚠️ Modellabhängig

Einige Modelle scheitern an Check 3 (Gas übersteuert Bremse).

Audi

⚠️ Modellabhängig

Ähnlich wie VW: Check 3 kann problematisch sein.

Mercedes

⛔️ Oft problematisch

Handbremse häufig links vom Lenkrad positioniert. Check 1 scheitert.

Toyota

⛔️ Oft problematisch

Handbremse teilweise am Armaturenbrett. Mehrere Checks scheitern.

Renault

⛔️ Oft problematisch

Gas übersteuert bei vielen Modellen die Handbremse (Check 3).

⚠️ Wichtig:

Diese Tabelle dient nur als Orientierung. Selbst innerhalb einer Marke unterscheiden sich die Systeme je nach Modell und Baujahr erheblich. Führe immer alle 3 Checks durch, bevor du eine Lernfahrt mit einem Auto mit elektronischer Feststellbremse machst.

Mobility und Lernfahrten

Viele Fahrschüler:innen in der Schweiz nutzen Mobility Carsharing für ihre Lernfahrten. Das ist grundsätzlich erlaubt, aber bei der elektrischen Handbremse gibt es einiges zu beachten.

🚗 Mobility: Das musst du wissen

  • Etwa jedes dritte Mobility-Fahrzeug ist mit einer elektronischen Feststellbremse ausgestattet.

  • Mobility erlaubt Lernfahrten, stellt aber keine Garantie, dass das spezifische Fahrzeug alle Checks besteht.

  • Du kannst bei der Buchung das Fahrzeugmodell einsehen. Prüfe im Voraus, ob das Auto voraussichtlich geeignet ist.

  • Führe die 3 Checks vor der eigentlichen Lernfahrt auf einem leeren Parkplatz durch.

  • Besteht das Fahrzeug die Checks nicht, nutze es nicht für die Lernfahrt, auch wenn es bereits gebucht ist.

Begleitperson: Rechte und Pflichten

Die Begleitperson trägt bei private Übungsfahrten eine grosse Verantwortung, auch was die elektrische Handbremse betrifft. Hier die wichtigsten Punkte:

👤 Voraussetzungen Begleitperson

  • Mindestens 23 Jahre alt

  • Seit mindestens 3 Jahren im Besitz des Führerausweises der entsprechenden Kategorie

  • Führerausweis nicht mehr auf Probe

  • Muss nüchtern sein (0,1-Promille-Grenze wie bei Neulenker:innen)

⚖️ Verantwortung bei der Handbremse

  • Muss sich vor der Lernfahrt vergewissern, dass die Handbremse funktioniert

  • Ist verantwortlich für die Durchführung der 3 Checks

  • Haftet bei Verstoss (Busse wird an die Begleitperson gerichtet)

  • Muss jederzeit bremsbereit sein

⚠️ Achtung Begleitpersonen

Nicht die fahrende Person, sondern du bist dafür verantwortlich, dass das Fahrzeug die gesetzlichen Voraussetzungen für die Lernfahrt erfüllt. Bei einer Kontrolle richtet sich die Busse an dich.

Wir empfehlen dir, die 3 Checks noch vor der ersten Lernfahrt auf einem leeren Parkplatz durchzuführen. So weisst du sofort, ob dein Auto mit elektronischer Feststellbremse für Lernfahrten geeignet ist. Falls du dir unsicher bist, kannst du dich an dein kantonales Strassenverkehrsamt wenden, oder du fragst deine Fahrlehrer:innen bei den nächsten Fahrstunden bei BLINK.

Du hast noch Fragen rund um den elektronischen Lernfahrausweis? Oder möchtest du dich optimal auf die praktische Fahrprüfung vorbereiten? Dann schau dir unsere weiteren Wissen-Artikel an.

Häufige Fragen zur Lernfahrt mit elektronischer Handbremse

Diese Fragen zur elektronischen Handbremse bei der Lernfahrt werden uns regelmässig gestellt:

Das Wichtigste zur elektrischen Handbremse

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

✅ Eine elektrische Handbremse ist bei Lernfahrten erlaubt, wenn sie alle 4 Kriterien erfüllt

⚠️ Nutze das 3-Checks-System, um dein Auto selbst zu prüfen

⛔️ Bei Verstoss drohen Bussen bis 500 CHF und die Fahrt wird gestoppt

⛔️ Die Begleitperson haftet – nicht die fahrende Person.

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